800 Jahre Pfarrei Ernen 2014
Violine: Claudia Kienzler
Texte: Stefanie Ammann
Skulptur: Fritz Dreier
Skulptur: Wilhelm Wenger
Inszenierung/Skulptur: KummerSteiner
Am Anfang stehen drei Holzstämme in den Farben weiss, schwarz und rot.
Jeder Stamm ist mit einer Farbe bemalt. Weiss steht für Reinheit, Unschuld. 
Schwarz steht für Verrat, Folter und Tod. Rot steht für das Blut und Spuren der Narben. 
Die Performance besteht aus drei Teilen. Musikalisch begleitet von der Violinistin, welche komponierte und improvisierte Melodien über das Gesprochene legt.
Der schwarze Stamm ist wie eine Finnenkerze vorbereitet und wird zum Zeitpunkt wo der Text und die Violine das schwarze Thema behandeln, mittels Feuerspuken und Fackeln in Brand gesetzt. Der schwarze Stamm ist mit einem Symbol des Matriarchats geschmückt. 
Am oberen Teil des Stammes wird ein umgedrehter Scheiterhaufen angedeutet. Diese Anordnung der Symbole, weibliche Kraft am unteren Teil des Stammes, Scheiterhaufen am oberen Teil, entspringt einem schamanischen Ritual und impliziert die Umkehr der Kräfte. Die verlorene Seelenkraft soll wieder eingeladen sein und durch das Räucherwerk im Scheiterhaufen, die Qual und das Leid der unschuldigen Opfer besänftigt und aufgelöst werden. 
Der rote und letzte Stamm blutet auf die Strasse, was wir während der Performance mit Farbe auf den Boden aufbringen. Am Schluss wird die Blutspur zu einem Kristall geführt, der als Zeichen der Umkehr und Auflösung steht. Nach dem Kristall wird die Spur in Weiss weiter gemalt, welche die Bedeutung, Absicht und den Wunsch der Auflösung verdeutlichen und in Erinnerung bleiben soll. 
Gedichte aus 'Ich bin in Sehnsucht gehüllt'
Ein Haarsträhn wie ein feiner Schatten in die Stirn, darüber seidig weich die dunkle Fülle.
Der Mund – ein trutz'ges Zeugnis stolzer Kühle, betont durch leichten, seichten Flaum. 
Das helle Braun der Augen mildert kaum.
Die Zähne scheinen stark und weiss nach vorne sich zu drängen
und ganz so störrisch wild die schwarzen Brauen.
Doch wenn die Augen in die Ferne schauen,
dann will ein Zug von Sehnsucht in den Stolz sich mengen. Darüber wölbt die Stirne sich in leichtem Bogen,
die feine Nase setzt sie, aufwärtsstrebend, fort.
Der schlanke Hals ist in die Harmonie mit einbezogen -
ein bisschen Braun, ein bisschen bleich – ein starker Dur- Akkord. 
Ich möchte leben.
Schau, das Leben ist so bunt.
Es sind so viele schöne Bälle drin.
Und viele Lippen warten, lachen, glühn
und tun ihre Freude kund.
Sie nur die Strasse, wie sie steigt:
so breit und hell, als wart sie auf mich.
Und ferne, irgendwo, da schluchzt und geigt
die Sehnsucht, die sich zieht durch mich und dich. Der Wind rauscht rufend durch den Wald,
er sagt mir, dass das Leben singt.
Die Luft ist leise, zart und kalt,
die ferne Pappel winkt und winkt. 
Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen und möchte den Himmel mit Händen fassen und möchte frei sein und atmen und schrein. Ich will nicht sterben.
Nein.
Mein ist die Unschuld
Mein ist die Reinheit
Das Leben ist rot.
Das Leben ist weiss.
Das Leben ist mein.
Mein und dein.
Mein. 
Warum brüllen die Kanonen? Warum stirbt das Leben
für glitzernde Kronen? 
Dort ist der Mond. Er ist da.
Nah.
Ganz nah. 
Ich muss warten. Worauf?
Hauf um Hauf sterben sie. Stehn nie auf. Nie und nie. 
Das Leben ist bunt. Du willst mich töten. Weshalb?
Aus tausend Flöten weint Wald. 
Der Mond ist lichtes Silber im Blau. Die Pappeln sind grau.
Und Wind braust mich an.
Die Strasse ist hell. 
Dann ...
Sie kommen dann und würgen mich. Mich und dich tot. 
Ein Schatten von einem Baum geistert über den Mond.
Man sieht ihn kaum.
Ein 
Baum.
Ein Leben
kann Schatten werfen über den
Mond. 
Hauf um Hauf sterben sie. Stehn nie auf. Nie 
und nie. 
Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen und möchte den Himmel mit Händen fassen und möchte frei sein und atmen und schrein. 
Selma Meerbaum-Eisinger
Back to Top